Prinz Eugen der edle Ritter
Melodie - Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), op. 92
Ferdinand Freiligrath 1810-1876

Zelte, Posten, Werdarufer!
Lust'ge Nacht am Donauufer!
Pferde stehn im Kreis umher
Angebunden an den Pflöcken,
An den engen Sattelböcken
Hangen Karabiner schwer
Um das Feuer auf der Erde
Vor den Hufen seiner Pferde
Liegt das östreich'sche Pikett.
Auf dem Mantel liegt ein jeder,
Von den Tschakos weht die Feder,
Leutnant würfelt und Kornett.
Neben seinem müden Schecken
Ruht auf einer wollnen Decken
Der Trompeter ganz allein:
"Laßt die Knöchel, laßt die Karten,
Kaiserliche Feldstandarten
Wird ein Reiterlied erfreun!
Vor acht Tagen die Affäre
Hab' ich zu Nutz dem ganzen Heere
In gehör'gen Reim gebracht,
Selber auch gesetzt die Noten,
Drum, ihr Weißen und ihr Roten!
Merket auf und gebet acht!"
Und er singt die neue Weise
Einmal, zweimal, dreimal leise
Denen Reitersleuten vor;
Und wie er zum letzten Male
Endet, bricht mir einem Male
Los der volle, kräft'ge Chor:
"Prinz Eugen, der edle Ritter!"
Hei, das klang wie Ungewitter
Weit ins Türkenlager hin.
Der Trompeter tät den Schnurrbart streichen
Und sich auf die Seite schleichen
Zu der Marketenderin.

Prinz Eugenius, der edle Ritter / Dux EugeniusPrinz Eugen
Leipzig 1719

1. Prinz Eugenius, der edle Ritter,
Wollt' dem Kaiser wied'rum kriegen
Stadt und Festung Belgarad.
|: Er ließ schlagen einen Brukken,
Daß man kunnt' hinüberrucken
Mit'r Armee wohl vor die Stadt. :|

2. Als der Brucken war geschlagen,
Daß man kunnt' mit Stuck und Wagen
Frei passiern den Donaufluß,
|: Bei Semlin schlug man das Lager,
Alle Türken zu verjagen,
Ihn'n zum Spott und zum Verdruß. :|

3. Am einundzwanzigsten August soeben
Kam ein Spion bei Sturm und Regen,
Schwur's dem Prinzen und zeigt's ihm an,
|: Daß die Türken futragieren,
So viel, als man kunnt' verspüren,
An die dreimalhunderttausend Mann. :|

4. Als Prinz Eugenius dies vernommen,
Ließ er gleich zusammenkommen
Sein' Gen'ral und Feldmarschall.
|: Er tät sie recht instruieren,
Wie man sollt' die Truppen führen
Und den Feind recht greifen an. :|

5. Bei der Parol' tät er befehlen,
Daß man sollt' die Zwölfe zählen,
Bei der Uhr um Mitternacht.
|: Da sollt' all's zu Pferd aufsitzen,
Mit dem Feinde zu scharmützen,
Was zum Streit nur hätte Kraft. :|

6. Alles saß auch gleich zu Pferde,
Jeder griff nach seinem Schwerte,
Ganz still rückt' man aus der Schanz'.
|:Die Musketier' wie auch die Reiter
Täten alle tapfer streiten:
's war fürwahr ein schöner Tanz! :|

7. Ihr Konstabler auf der Schanzen,
Spielet auf zu diesem Tanzen
Mit Kartaunen groß und klein;
|: Mit den großen, mit den kleinen
Auf die Türken auf die Heiden,
Daß sie laufen all' davon! :|

8. Prinz Eugenius auf der Rechten
Tät als wie ein Löwe fechten,
Als Gen'ral und Feldmarschall.
|: Prinz Ludewig ritt auf und nieder'.
Halt't euch brav, ihr deutschen Brüder,
Greift den Feind nur herzhaft an! :|

9. Prinz Ludewig, der mußt' aufgeben
Seinen Geist und junges Leben,
w
ard getroffen von dem Blei.
|: Prinz Eugen war sehr betrübet,
eil er ihn so sehr geliebet,
Ließ ihn bring'n nach Peterwardein. :|