SSS Niobe



Segelschulschiff Niobe

Schiffsart und -klasse: 1921 Segeltender
1923 Segelschulschiff (ab 19.12.1923 in die Liste der
Kriegsschiffe aufgenommen)
Besatzung: 34 Mann plus 65 Seekadetten und Uffz.- Schüler
Techn. Angaben:
Gewicht nach Umbau: voll ausgerüstet 724 t
L: 42 m Breite: 9,20 m T: 5,2 m
Antrieb: Hilfsmotor (Zweitakt Glühkopfdiesel) Geschw.: 7 kn
Segelfläche als Viermastgaffelschoner 740 qm. Als Schonerbark (Jackassbark) 943 plus 40 qm. Bewaffnung: unbewaffnet



Indiensthaltung und Kommandanten:

März 1921 bis Sept. 1921:
KL Graf Luckner
April 1925 - Januar 1927:
KK Waßner
März 1922 bis Juli 1932: KK Krafft Januar 1927 - Juni 1929: KK Mewis
März 1922 - Mai 1924: Ernst
Juni 1929 - Februar 1932: KK Kümpel
Mai 1924 -April 1925: KL. Lafrenz
Februar 1932 - Juli 1932: KL Ruhfus




So manchen überrascht es zu erfahren, daß die SSS Niobe nicht deutscher Herkunft war, sondern am 2.8.1913 als "Morten Jensen" in Frederikshavn (Nord-Jytland/Dänemark) bei den Frederikshavns Flydedock vom Stapel lief.

Schiffseigner war zunächst L.F. Knackergaard in Nyköbing/Dänemark, bis das Schiff dann 1916 nach Norwegen verkauft wurde. Hier bekam es den Namen "Tyholm".

Am 21.11. 1916 wurde der Schoner von UB 41 aufgebracht und am 16.2.1917 "prisengerichtlich" eingezogen.

Nach dem Kriege wurde das Schiff für Charterfahrten eingesetzt und erhielt am 7.6.1920 den Namen "Aldebaran".


Ein halbes Jahr später wurde es von der Reichsmarine am 3.2.1921 übernommen und schließlich am 10.3.1921 als "NIOBE" in Dienst gestellt. Einen Liegeplatz erhielt sie in Flensburg-Mürwik vor der dortigen Marineschule.


Marineschule Mürwik


Linienschiff "Schlesien" und "NIOBE" vor Marineschule Mürwik
Linienschiff "Schlesien" und "NIOBE" vor Marineschule Mürwik



SSS Niobe in der Flensburger Förde

Ende September 1921 wurde der Segeltender unter dem Kommando des damals sehr bekannten KptLt. Graf v. Luckner noch für kurze Zeit unter dem Namen "Schwan" einer Filmgesellschaft zur Verfügung gestellt.


Graf von Luckner

Mit Wirkung vom 6. Febr. 1922 ging das Schiff endgültig in den Besitz der Reichsmarine über,
die es am 15. März 1922 wieder unter dem Namen "NIOBE" in Dienst stellte.


SSS Niobe in der Kieler Förde


Im Winterhalbjahr 1922/23 wurde der Gaffelschoner bei der Germania-Werft in Kiel zur Schonerbark umgebaut, ohne dass in dieser Zeit eine Außerdienststellung erfolgte. Der Segler war nach diesem Umbau allerdings übertakelt, stets zu leichter Backbord-Schlagseite neigend.

Ab 30. April 1923 bis zum Untergang, wurde der Segler im Rahmen der Inspektion des Ausbildungswesens der Marine zur Ausbildung von Seekadetten und Unteroffiziersschülern eingesetzt. Von besonderen Ereignissen gibt es nichts zu berichten.
Der Segler bewegte sich in erster Linie in der Ost- und Nordsee. Dabei wurden nicht nur die bekannten deutschen Marinehäfen besucht, sondern auch Häfen der Anliegerstaaten.


KorvKpt. Kümpel, Komandant "Niobe"
Juni 1929 bis Februar 1932



(siehe nachfolgende Fotos des Unteroffizier-Anwärters Dietrich)




"Niobe" an der Boje



am Ruder



Lt z See Fischer (Ausbilder)



Auslaufen Warnemünde



einmal Großtopp



Oberbootsmann peilt die Lage



Rügen in Sicht / Kdt. Kümpel



Pause



"Niobe" von oben



Hindenburgparade



"Niobe" im Kieler Hafen



Niobe am Anleger



SSS "Niobe" vor Rügenwaldermünde



"Niobe" und Flottenflaggschiff "Schleswig-Holstein" (Linienschiff)
im Kieler Hafen




Am 26. Juli 1932 befand sich das Segelschulschiff auf der Fahrt von Fehmarn nach Warnemünde. Das Feuerschiff Fehmarn-Belt war gerade passiert, als der Kommandant KptLt. RUHFUS wegen aufkommender Gewitterwolken die Obersegel bergen ließ.

Was dann passierte, ist in dieser Form in der Seefahrt nur selten zu beobachten. Innerhalb von Minuten ergriff den Segler eine Fallbö und bei gleichzeitiger Winddrehung um 120° wurde

Das Segelschulschiff wie eine Schraube unter Wasser gedrückt.

Wegen der sommerlichen Temperaturen waren diverse Luken geöffnet und so konnte binnen Kürze dermaßen viel Wasser in das Schiff eindringen, daß es nach wenigen Minuten versank.

69 Offiziere, Offiziersanwärter und Matrosen ertranken. Nur 40 Mann, darunter der Kommandant, wurden durch Boote des Feuerschiffes und des Hamburger Frachters "Theresia L.M Russ" gerettet.

Die Hilfe anderer Reichsmarine-Einheiten kam zu spät.

Dies war eines der schwersten Unglücke der deutschen Marine. Wochenlang wurde diese Tragödie in der deutschen und internationalen Presse behandelt.

Der Kommandant KL Ruhfus wurde vor ein Kriegsbericht gestellt, jedoch freigesprochen.

Die deutsche Reichsmarine zog aus diesem Unglück ihre Lehren und sorgte dafür, daß die später erbauten Segelschulschiffe der Horst-Wessel und Gorch-Fock-Klasse nicht übertakelt wurden.

(c) 2007 by Klaus Lorenzen


Quellen: Hildebrand/Röhr/Steinmetz

Archiv: Klaus Lorenzen

Homepage www.militaritaeten.de